Dann, um 03:19 Uhr an einem Dienstagmorgen, änderte sich alles.
Ich wachte auf von einem Krachen aus unserem Badezimmer.
Als ich hineineilte, fand ich meine Frau Sarah auf dem Boden, schluchzend.
Das gesamte Badezimmerregal war zusammengekracht – und die Packungen mit den starken Schmerzmitteln lagen verstreut auf dem Boden.
Sie konnte sie nicht erreichen.
Ihre Schulter – die monatelang „noch zu bewältigen" gewesen war – hatte endgültig aufgegeben.
„Ich kann nicht mehr", flüsterte sie. „Ich komme nicht einmal mehr an meine eigenen Schmerzmittel.“
Sarah ist Intensivkrankenschwester. War Intensivkrankenschwester. 19 Jahre lang arbeitete sie auf der Intensivstation – hob, drehte und positionierte Patienten um, die sich nicht selbst bewegen konnten.
Der Verschleiß an ihren Schultern kam schleichend, dann aber plötzlich.
Jetzt konnte sie ihren Arm nicht mehr über 45 Grad heben.
Aber hier kommt, was mich zerstörte:
Als ich versuchte, ihr hochzuhelfen, schrie sie auf.
Ich hatte ihre Schulter berührt.
Mehr brauchte es nicht.
Wir hatten uns seit 4 Monaten nicht mehr umarmt – nicht richtig umarmt.
Jede Umarmung endete mit Zusammenzucken.
Jeder Versuch zu trösten wurde zu einer weiteren Erinnerung an das, was wir verloren hatten.
Die Frau, die einst 100-Kilo-Patienten heben konnte, konnte ihren eigenen Ehemann nicht umarmen.
Und ich stand nur da.
Nutzlos.
Ein orthopädischer Chirurg, der nicht einmal seiner eigenen Frau helfen konnte.
Ich hatte alles versucht, was ich gelernt hatte. Physiotherapie. Kortison-Spritzen. Eis. Wärme. TENS-Geräte.
Nichts wirkte länger als ein paar Stunden. Oder ein paar wenige Tage.
Die „Experten" waren auch nicht besser:
- Ihre Physiotherapeutin? Dehnte und kräftigte monatelang zweimal pro Woche. Zuzahlung am Ende: Knapp über 120€ insgesamt. Die Linderung nach jeder Sitzung hielt etwa so lange wie die Autofahrt nach Hause.
- Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie? Pumpte sie voll mit Kortison-Spritzen, die sie 12 Kilo zunehmen ließen und zur wandelnden Leiche machten.
- Der Schulterchirurg? Wollte sie aufschneiden – mit einer 40%igen Misserfolgsrate, enormem Risiko und monatelanger Genesungszeit.
In dieser Nacht brach etwas in mir.
Ich würde nicht zusehen, wie die Frau, die ich liebe, abhängig von verschreibungspflichtigen Medikamenten wird.
Ich würde nicht zulassen, dass irgendein Chirurg sie nur für den Profit aufschneidet.
Ich zog in den Krieg gegen alles, was ich über Schulterschmerzen zu wissen glaubte.